Teenage Angst als ungestümer Psychotrip: Ein Partygirl begegnet der Verkörperung ihrer Ängste. 2007 verfilmte Achim Bornhak Das wilde Leben der Uschi Obermaier - dann nannte er sich Akiz, kollaborierte mit Banksy und wurde im MoMA ausgestellt. Mit dem ersten Teil einer Dämonischen Trilogie kehrt er nun zum Kino zurück und lässt in puncto Ambition und Radikalität heimische Genrevertreter weit hinter sich. Sein furioser Ritt in die Phantastik experimentiert mit Einflüssen von David Lynch und des Expressionismus, reizt die Sinne mit seinem Mix aus Teenage Angst, Jugendporträt und Psychodrama. Mittelpunkt der Handkamera ist Partyluder Tina (TV-Aktrice Carolyn Genzkow), die kurz vor dem Abitur mit ihren Freundinnen von einem Berliner Pool-Rave-Exzess zum nächsten rast und mit Adam (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) den begehrtesten Jungen an der Schule zum Freund hat, bis sie eines Nachts Todesvisionen hat. Fortan sieht sie eine missgestaltete Figur (von Akiz modelliert), ein Mix aus Fötus und E.T., der den Kühlschrank leerfuttert. Auf Anraten ihres Psychiaters überwindet sie ihre Abscheu und sucht Kontakt zu dem Wesen, das gar keine Bedrohung darstellt, von Eltern und Freunden, die es schließlich auch erblicken, aber als solche wahrgenommen wird. Als ergiebige Metapher für Pubertät, Essstörung, Schwangerschaft und Identitätsprobleme manifestiert sich dieser stumme Doppelgänger. Die Protagonistin wird zur Außenseiterin, bis sie das Monster annimmt und ein Outing hinlegt, dass einer Lady Gaga würdig ist. Im authentisch gezeichneten Szenemilieu lässt Akiz mit voller Wucht loshämmern, bis im Beats- und Stroboskopgewitter Augen und Ohren bluten. Weniger glaubhaft sind die stereotypen Spießereltern. Dafür haben in Nachtmahr viele Ideen eine surreale Klasse, die man hierzulande oft vergeblich sucht. tk.